Ich mach mich stark - Auf der Suche nach den eigenen Fähigkeiten

Immer mal wieder sind wir mit der Frage konfrontiert: „Was kann ich eigentlich gut?“ Am Ende der Schulzeit, vor einem Vorstellungsgespräch oder während der Ausbildung spielt diese Frage eine wichtige Rolle. Denn wer sie beantworten kann, findet meist auch schnell eine berufliche Richtung, in die es gehen könnte. Die Berufswahl sollte nämlich direkt mit den eigenen Fähigkeiten zusammen hängen. Schließlich macht ein Job vor allem dann Spaß, wenn er Tätigkeiten beinhaltet, die man gut kann. Und wer Spaß hat, ist auch erfolgreich.

Am Ende der Schule

Das Ende der Schulzeit naht. Viele wissen deswegen noch lange nicht, was sie anschließend eigentlich machen wollen. Was bei der Entscheidungsfindung und Suche entscheidend hilft, ist ein klares Wissen über die eigenen Vorlieben und Fähigkeiten. Wer zum Beispiel gerne mit Zahlen umgeht, ist wohl besser im Bankwesen aufgehoben als in der Zeitungsredaktion. Wer hingegen lieber mit den Händen arbeitet, würde in einem Bürojob sicherlich nicht glücklich werden.
Manchmal ist es aber gar nicht so einfach zu erkennen, was man eigentlich gerne macht und gut kann. Und wenn man es weiß, dann heißt das auch noch lange nicht, dass einem dazu direkt ein passender Beruf in den Sinn kommt. In diesen Fällen hilft es darüber mit unterschiedlichen Leuten zu sprechen. Vor allem Leute, die dich gut kennen, können dir bestimmt sagen, was du aus ihrer Sicht gut kannst und was dich auszeichnet. Auch der Besuch von Berufs- und Ausbildungsmessen sowie das Durchstöbern von Berufslisten im Internet oder auch im Berufsinformationszentrum (BiZ) der Arbeitsagentur kann dich auf die richtige Idee bringen.

Nicht beirren lassen

Das wohl schwierigste bei der Suche nach einem Berufswunsch, ist manchmal die Fülle an Möglichkeiten. Gerade, wenn man noch nicht ganz klar hat, wo die eigenen Fähigkeiten liegen, kann man sich so ziemlich in jedem Job vorstellen. Das macht es natürlich nicht einfacher. Und dann sind da auch noch die Eltern oder andere Verwandte, die vielleicht ganz bestimmte Vorstellungen von deiner Zukunft haben. Hier hilft es nur, sich selbst treu zu bleiben. Dabei unterstützt dich natürlich auch das Wissen um die eigenen Stärken. So kannst du gegenüber anderen auch argumentieren.

Die Sache mit den Tests

Wer auf der Suche nach seinen Stärken ist, wird früher oder später sicherlich auf sogenannte Berufstests stoßen. Ob in Beratungseinrichtungen, der Arbeitsagentur oder im Netz – überall finden sich Angebote. Viele davon sind kostenlos, manche setzen eine Registrierung voraus. Generell lässt sich sagen, dass diese Tests durchaus als Unterstützer dienen können. Michael Kron von der Serviceagentur „Die Ausbildungsberater“ sagt: „Wenn man so gar nicht weiß, in welche Richtung es für einen gehen kann, sind Tests durchaus eine Hilfe.“ Allerdings weist der Ausbildungsberater auch darauf hin, dass man nicht erwarten solle, dass ein Test die Lösung bringt. „Meist geben die Ergebnisse einfach eine Idee, in welchen Bereichen Interessen und Stärken liegen.“ Deswegen ist Michael Kron übrigens auch eher Freund von einfachen und kurzen Tests, da zu detailierte Ergebnisse wiederum nur Verwirrung stiften könnten. Außerdem empfiehlt der Ausbildungsberater, ruhig mehrere verschiedene Tests zu machen, um die Ergebnisse einzugrenzen.Fest steht: So ein Test kann in jeden Fall der Orientierung dienen.

Vor dem Bewerbungsgespräch

Bei Erfahrungsberichten von Vorstellungsgesprächen wird sie immer wieder erwähnt: die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen. Nicht umsonst solltest du dir vor einem Bewerbungsgespräch nochmal ganz klar vor Augen führen, was du kannst und warum du für den Job, auf den du dich beworben hast, geeignet bist. Achtung: Dabei nicht vergessen auch ein paar Antworten zu Schwächen zurecht zu legen. Achte hierbei vor allem darauf, dass es Schwächen sind, die auch positiv ausgelegt werden können. (Zum Beispiel „Ungeduld“: Das können Personaler auch alsTatendrangauslegen.) Bei der Aufzählung deiner Stärken kommt es vor allem darauf an, dass du bei dir bleibst. Das gibt auch Michael Kron von den Ausbildungsberatern als Tipp: „Personaler merken sofort, wenn die Stärken nicht zu der Person passen, die vor ihnen sitzt. Man sollte also in jedem Fall ganz individuell bei sich bleiben.“
Hilfreich für die Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch in jeden Fall auch wieder das Gespräch mit anderen, die dich gut kennen. Aber auch das Aufschreiben deiner Stärken ist wichtig, dann hast du deine Antworten schwarz auf weiß vor Augen und kannst sie im Zweifelsfall während des Gesprächs schneller gedanklich abrufen. Das gibt Sicherheit. 


Nicole Nienaß-Koppe und Michael Kron von den Ausbildungsberatern Bremen stehen auch bei der Suche nach den eigenen Stärken beratend zur Seite.

Realismus macht den Meister

Eine ganz wichtige Komponente auf der Suche nach den eigenen Stärken ist die realistische Einschätzung. Michael Kron betont, dass man sich bei der ganzen Auflistung der eigenen Stärken und Vorlieben auch immer wieder ganz realistisch fragen solle, ob man diese oder jene Stärke überhaupt beruflich einsetzen möchte. Wer gut und gerne fotografiert, muss dieses Hobby ja noch lange nicht zu seinem Beruf machen. Manchmal kommt dann am Ende sogar die böse Erkenntnis, dass der Alltag eines Berufsfotografen nicht mehr viel mit den Inhalten des einstigen Hobbys zu tun hat.
Information ist hier wieder das Zauberwort! Denn nur, wer sich ausgiebig über vermeintliche Wunschberufe informiert, kann überhaupt einschätzen, ob der Job etwas für einen ist. „Ich bringe an dieser Stelle immer gerne das Beispiel des Sport- und Fitnesskaufmanns“, erzählt Michael Kron.„Das Bild, das man bei dieser Berufsbezeichnung vielleicht vor Augen hat, hat wenig mit den realen Berufsbedingungen zu tun.“ Es geht eben bei dem Job eben nicht so sehr um den Sport, sondern eher um die kaufmännischen Komponenten. Man sollte sich also konkret über Inhalte schlau machen. Hierbei ist der direkte Weg oft der effektivste: Frag doch einfach mal jemanden, der in diesem Beruf arbeitet, wie der Berufsalltag aussieht. „Außerdem sind natürlich die Voraussetzungen zu beachten“, ergänzt Michael Kron. „Es bringt ja nichts, wenn ich nach langer Suche entscheide, Ingenieur werden zu wollen, aber gar keine Hochschulreife habe.“
Mit realistisch formulierten Stärken lässt sich auch in Bewerbungsverfahren garantiert punkten. Übertreibungen aber auch falsche Bescheidenheit sind unangebracht. Wenn du alleine Schwierigkeiten hast, deine Stärken zu formulieren, kannst du dich auch an Beratungsstellen wenden. Hier sitzen Menschen, die tagtäglich mit dieser Thematik zu tun haben und garantiert ziemlich schnell die richtigen Worte finden. Aber erwarte nicht, dass die Beraterin oder der Berater dir einen fertig durch geplanten Lebenslauf für die präsentiert. Sie bieten zwar Hilfestellung beim Findungsprozess, aber letztlich bist immer noch du die entscheidende Kraft.

Während der Ausbildung

Während der Ausbildung lernst du eine ganze Menge. Und das nicht nur fachlich, sondern auch über dich selbst. Praxis ist nämlich immer noch ein ziemlich guter Weg, um herauszufinden, was man gut kann. Daher sind auch Praktika oder Hospitanzen zu empfehlen.
Viele Betriebe haben inzwischen regelmäßige Mitarbeitergespräche fest in ihrem Programm. Auch als Auszubildende/r kannst du direkt mit deinen Ausbildern und Vorgesetzten besprechen, wie du dich mit deinen Aufgaben fühlst und diese umsetzt. Vielleicht erkennst du nach einer Weile, dass dir bestimmte Tätigkeiten mehr liegen als andere. Hier zeichnet sich wohlmöglich schon eine Richtung ab, in die du auch nach der Ausbildung weitergehen könntest. So oder so kommt eines Tages der Punkt, an dem du wieder – wie am Ende der Schulzeit – der Frage gegenüberstehst, wie dein nächster Schritt aussehen könnte. Allerdings hast du nun bereits mehr Erfahrungen gesammelt, was bedeuten kann, dass du klarer weißt, was du willst oder was du nicht willst. Vielleicht hast du während deiner Ausbildung einen bestimmten Bereich als besonders reizvoll erlebt. Du könntest dich hier also spezialisieren und deine Stärken weiter ausbauen. Vielleicht wirst du vom Betrieb übernommen, arbeitest erst einmal einige Jahre und entwickelst später das Bedürfnis, dich in einem bestimmten Bereich weiterzubilden.

Die Zukunft ist kleiner als man denkt

Michael Kron hat übrigens noch eine ganz einfache Faustregel, die er seinen Ratsuchenden gerne an die Hand gibt. „Bei der Suche nach dem, was man will, ist das wichtigste eigentlich, auf sein Herz zu hören“, erklärt er. Bei vielen sei nach wenigen Gesprächsminuten klar, was sie wollen. Aber oftmals lassen sie sich von äußeren Faktoren so beeinflussen, dass sie irgendwann nicht mehr wissen, was sie selbst eigentlich wollen. Daher ist es so wichtig, die eigenen Fähigkeiten klar formulieren zu können. Dann lässt man sich auch nicht mehr so leicht ablenken.
Eines solltest du dir vor Augen führen:Bei all der Suche nach dem, was du kannst und willst – mache dir bewusst, dass du dich mit den jetzigen Entscheidungen nicht für immer festlegst. Du kannst ruhig erst einmal in eine Richtung losgehen. Das heißt noch lange nicht, dass du nicht auch irgendwann noch einmal abbiegen und in eine andere Richtung weitergehen kannst. Kaum ein Lebenslauf verläuft geradlinig. Das wäre ja auch langweilig. Außerdem ändern sich Vorlieben, Können und Wünsche im Laufe eines Lebens. Wenn du eher die kleinen Schritte und Ziele im Auge behältst, wirst du merken, dass diese ganze Sache mit den Stärken und Fähigkeiten gar nicht so groß ist, wie sie manchmal scheint. Dieser Gedanke entspannt doch irgendwie, oder?!?

www.dieausbildungsberater.de


zurück